Beitrag in Jahrbuch 2013

Allgemeine Entwicklung Internationaler Management-Standard für Nachhaltigkeit

Kurzfassung:

Das Prinzip 'Nachhaltigkeit' kann für Unternehmen und Gesellschaft einen wichtigen Beitrag leisten, den aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Das Prinzip bedarf aber der Konkretisierung, um einerseits die spezifischen Bedingungen der Landmaschinenbranche abzubilden und um es andererseits 'operabel' zu machen. Das ISO/TC 23 hat deshalb beschlossen, einen Management-Standard zu erarbeiten, um Unternehmen eine Hilfestellung bei der Implementierung des Nachhaltigkeits-Prinzips zu geben und mit der Veröffent¬lichung einer internationalen Norm eine einheitliche Vorgehensweise weltweit in der Landtechnik zu unterstützen und damit auch die Akzeptanz in den einzelnen Märkten zu erhöhen.

Volltext

Internationaler Management-Standard für Nachhaltigkeit

Norbert Alt,

Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA

Kurzfassung

Das Prinzip 'Nachhaltigkeit' kann für Unternehmen und Gesellschaft einen wichtigen Beitrag leisten, den aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Das Prinzip bedarf aber der Konkretisierung, um einerseits die spezifischen Bedingungen der Landmaschinenbranche abzubilden und um es andererseits 'operabel' zu machen. Das ISO/TC 23 hat deshalb beschlossen, einen Management-Standard zu erarbeiten, um Unternehmen eine Hilfestel¬lung bei der Implementierung des Nachhaltigkeits-Prinzips zu geben und mit der Veröffent¬lichung einer internationalen Norm eine einheitliche Vorgehensweise weltweit in der Land¬technik zu unterstützen und damit auch die Akzeptanz in den einzelnen Märkten zu erhöhen.

Schlüsselwörter

Landtechnik, Unternehmen, Gesellschaft, Nachhaltigkeit, Norm

International management standard for sustainabilitiy

Norbert Alt,

German Engineering Federation VDMA

Abstract

The principle of sustainability can contribute to the actual challenges for enterprises and societies. However, the principle needs to be put into concrete terms in order to reflect the specific conditions of the agricultural machinery industry and to be made 'operable'. Therefore, ISO/TC 23 decided to develop a management standard in order to assist the agricultural machinery industry when implementing this principle and to support a uniform approach worldwide in the field of agricultural machinery and to achieve acceptance in the individual markets.

Keywords

Agricultural engineering, enterprise, society, sustainability, standard

Ausgangssituation

Die internationale Normung für die Landtechnik ist durch eine flache, dezentrale Struktur gekennzeichnet, die es ermöglicht, die einzelnen Normprojekte effizient und eigenver-antwortlich durch die zuständigen Produkt- und Querschnitts-Komitees (Sub-Committees) durchzuführen. Dem Technischen Komitee TC 23 selbst kommt in erster Linie eine administrative Funktion zu (Bild 1). Die Normungsarbeiten in den einzelnen Sub-Komitees sind auf Themen aus den Bereichen Straßenverkehrs-, Arbeits- und Umweltsicherheit sowie Gebrauchstauglichkeit (z.B. Schnittstellen) fokussiert. Sie reagieren damit auf gesetzliche Vorschriften, unterstützen deren Interpretation und Anwendung und tragen Forderungen des Marktes Rechnung. Auf Grund dieser Organisationsform steht die Optimierung von und häufig Maximalforderungen zu einzelnen Sachverhalten im Vordergrund. Eine ganzheitliche Betrachtung rückt in den Diskussionen häufig in den Hintergrund.

Bild 1: Organisation des ISO/TC 23

Figure 1: Structure of ISO/TC 23

Eine vergleichbare Situation ergibt sich auch bei der für die Landtechnik relevanten Gesetz-gebung. Auch hier steht die Regulierung von einzelnen Sachverhalten im Vordergrund (siehe z.B. Begrenzung der Schadstoffemissionen von Traktoren und Maschinen). Auf Grund dieser isolierten Betrachtungsweise können Negativeffekte entstehen (z.B. steigende Kraftstoffver-bräuche oder Geräuschemissionen), die ihrerseits wiederum zusätzlichen Regulierungs¬bedarf auslösen können (siehe z.B. Energieeffizienz-Diskussion).

In Hinblick auf diese Defizite bei der Regelsetzung und die zunehmende Erkenntnis, dass bei globalen Märkten auch die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit von Wirtschaft und Gesell-schaft im Fokus stehen muss, wird zunehmend das Prinzip des nachhaltigen Handelns und Wirtschaftens empfohlen. Die damit verbundene, zukunftsorientierte Betrachtung durch eine gleichrangige Berücksichtigung von wirtschaftlichen, umwelt-schonenden und sozialen Gesichtspunkten ermöglicht es, aktuellen Herausforderungen, wie z.B. Klimawandel, Ressourcenschonung, Wettbewerbsfähigkeit, durch die Betonung der Eigenverantwortung der Wirtschaftsakteure effizient zu begegnen.

Zielsetzung der Normungsarbeiten

Vor dem dargestellten Hintergrund regte die Normengruppe Landtechnik (NLA) in 2010 an, dass sich das TC 23 mit dem Thema 'Nachhaltigkeit' auseinander setzen sollte. Nach der Erörterung in mehreren Workshops verständigte sich das TC 23 auf folgende Ziele, die mit dem Normprojekt 'Nachhaltigkeit' [1] realisiert werden sollten:

• Internationaler Standard, der dem Anspruch von Nachhaltigkeit im Sinne der gleich-rangigen Berücksichtigung von wirtschaftlichen, umweltbezogen und sozialen Anforde-rungen gerecht wird,

• Berücksichtigung der spezifischen Gesichtspunkte von Landwirtschaft und Landtechnik,

• Formulierung eines einheitlichen Ansatzes, der einerseits für alle im TC 23 vertretene Produktbereiche zur Anwendung kommen kann und andererseits eine weitergehendere Produkt- oder Sachverhalt-bezogene Detaillierung in den einzelnen Sub-Komitees zulässt.

Deutschland wurde gebeten, einen entsprechenden Normungsantrag im TC 23 zu stellen und die Normungsarbeiten zu leiten. Der Normungsantrag wurde im März 2012 genehmigt.

Gewählter Normungsansatz

Basierend auf den Zielvorgaben des TC 23 entschied die zuständige Arbeitsgruppe, bei der Entwicklung der Nachhaltigkeitsnorm den bisher bei Normungsarbeiten üblichen produkt-bezogenen Ansatz zu verlassen und stattdessen einen unternehmensbezogenen Management-Standard zu entwickeln, der

• Grundsätze für die Entwicklung und Einführung von Nachhaltigkeitskriterien beschreibt und

• Empfehlungen für die Umsetzung zur Verfügung stellt.

Das zurzeit vorliegende Arbeitspapier sieht sechs Handlungsempfehlungen vor.

Identifikation der Anspruchsgruppen

Unter den Anspruchsgruppen (Stakeholder) sind Personen zu verstehen, die entweder Forderungen an das Unternehmen stellen oder von Unternehmensentscheidungen betroffen sind. Im Wesentlichen lassen sich drei Gruppen unterscheiden:

• Eigentümer und Mitarbeiter des Unternehmens, die vorwiegend an der langfristig erfolg-reichen Unternehmensführung und -entwicklung interessiert sind,

• Geschäftspartner (Lieferanten), Vertriebspartner und Endkunden, für die in erster Linie das Produkt (Entwicklung, Herstellung, Einsatz) im Vordergrund steht und

• weitere Gruppen wie z.B. Geldgeber, Medien, Politik/Gesellschaft bis hin zu Kommunen und Anwohnern an den Unternehmensstandorten.

Der gezielte Dialog mit diesen Anspruchsgruppen ermöglicht dem Unternehmen, frühzeitig Bedarfe zu erkennen und z.B. in Form einer Themen-Matrix zu bewerten (Bild 2). Des Weiteren gibt er wichtige Hinweise in Bezug auf mögliche Chancen und Risiken.

Bild 2: Themen-Matrix - Bedeutung aus …

Figure 2: Topic matrix - Importance of topics seen from …

Ausrichtung der Unternehmenspolitik

Im Rahmen der Unternehmenspolitik sind die Unternehmensziele, aber insbesondere auch die Werte bzw. die Unternehmenskultur und die Verhaltensgrundsätze zum Umgang mit Mitarbeitern und externen Anspruchsgruppen zu beschreiben. Die Berücksichtigung der Interessen der einzelnen Stakeholder sollte sich in den Unternehmenswerten widerspiegeln. Entscheidend dabei sind weniger die gewählten Formulierungen, sondern die Schärfung des Bewusstseins des Einzelnen und die tagtägliche Praktizierung der formulierten Wertevor-stellungen.

Festlegung von Leistungsmerkmalen und Indikatoren

Nachdem die relevanten Themen und Herausforderungen im Rahmen des Stakeholder-Dialogs ermittelt wurden, sollten dazu konkrete Ziele, einzuleitende Maßnahmen und Merk-male zur Verifizierung der Zielerreichung festgelegt werden. Der Normentwurf enthält hierzu konkrete Beispiele, die u. a. zeigen, dass

• die Anwendung von Nachhaltigkeitskriterien bereits heute gängige Unternehmenspraxis ist und häufig nur die systematische Erfassung, Bewertung und Weiterentwicklung sowie insbesondere die Darstellung und Kommunikation ein Optimierungspotential aufweisen und

• die Steigerung der Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens auf einer Vielzahl von Einzelmaßnahmen basiert, von denen jede einzelne einen konkreten (auch wirtschaft-lichen Nutzen) für das Unternehmen darstellt.

Verbesserungsprozess

Analog zu dem Thema 'Qualität' ist auch für die Optimierung der Nachhaltigkeitsleistungen eines Unternehmens ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess erforderlich. Zur Definition dieses Prozesses bedient sich der Nachhaltigkeits-Standard des in ISO 9001 [2] beschrie-benen Prozesses (Bild 3).

Bild 3: Kontinuierlicher Verbesserungsprozess

Figure 3: Continuous improvement process

Berichterstattung

Aus Sicht der Arbeitsgruppe kommt der Berichterstattung eine wesentliche Bedeutung zu. Sie sollte erfolgen

• intern mit der Zielsetzung, Bewusstsein, Motivation und Identifikation von Mitarbeitern zu fördern, um so den Prozess in Gang zu halten und

• extern mit der Zielsetzung, die Anspruchsgruppen außerhalb des Unternehmens regel-mäßig über den aktuellen Nachhaltigkeitsstatus des Unternehmens zu informieren.

Je nach Zielgruppe können für die Berichterstattung unterschiedliche Formate verwendet werden. Entscheidend ist, dass die Aussagen der Realität im Unternehmen entsprechen und nachvollziehbar sind.

Evaluierung

Die Analyse und Bewertung der einzelnen Leistungsmerkmale und Indikatoren sollte ent-sprechend dem Nachhaltigkeits-Standard in der Regel Bestandteil des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses sein.

Aktueller Stand des Normprojektes und weitere Maßnahmen

Das Manuskript für den Nachhaltigkeits-Standard wurde zwischenzeitlich allen Mitglieds-organisationen des TC 23 zu einer ersten Prüfung und Bewertung vorgelegt (sog. Committee Draft-Umfrage). Das Dokument stieß auf eine sehr hohe Akzeptanz, so dass nach Einarbeitung der redaktionellen Kommentare bereits die Veröffentlichung des Entwurfes erfolgen kann. Die Veröffentlichung der Norm ist für Mitte 2015 geplant und wird sowohl als internationale (ISO-) als auch europäische (EN ISO-) Norm erfolgen.

Nach der Veröffentlichung wird das TC 23 entscheiden, welche Folgeprojekte bearbeitet werden sollen. Entsprechend dem bisherigen Diskussionsstand wird es sich hierbei um generelle Sachverhalte, wie z.B. Recycling, und/oder Produkt-bezogene Sachverhalte, wie z.B. Aussagen zur Nutzungsphase einer Maschine, handeln.

Zusammenfassung

Das internationale Normungskomitee ISO/TC 23 bereitet einen Management-Standard zum Thema 'Nachhaltigkeit' vor. Zielsetzung ist es, Landtechnikunternehmen eine Hilfestellung bei der Entwicklung und Einführung von Nachhaltigkeitskriterien im Unternehmen zu geben. Der Normentwurf beschreibt die grundsätzliche Vorgehensweise und gibt konkrete Empfehlungen für die Umsetzung. Der Beitrag erläutert die in der Norm dargestellten sechs Handlungsempfehlungen (Identifikation der Anspruchsgruppen / Gestaltung der Unterneh-menspolitik / Leistungsmerkmale für Nachhaltigkeit / kontinuierlicher Verbesserungsprozess / Berichterstattung / Evaluierung) und informiert zu dem aktuellen Normungsstand sowie zu der geplanten weiteren Vorgehensweise.

Schlagworte:
Landtechnik, Norm, Unternehmen, Gesellschaft, Nachhaltigkeit
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Empfohlene Zitierweise:
Alt, Norbert: Internationaler Management-Standard für Nachhaltigkeit. In: Frerichs, Ludger (Hrsg.): Jahrbuch Agrartechnik 2013. Braunschweig: Institut für mobile Maschinen und Nutzfahrzeuge, 2014. – S. 1-7
Review am 27.02.2014

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