Beitrag in Jahrbuch 2014

Sätechnik Sätechnik

Kurzfassung:

Aktuelle Entwicklungen in der Drillsaat dienen der Verbesserung der Längsverteilung bei der Aussaat von Getreide und Raps. Die Sensorik zur Kornerfassung und Gutstromüberwachung mit dem Ziel einer weiteren Automatisierung der Saat- und Düngerablage bildet einen weite-ren Entwicklungsschwerpunkt. Ein neues System zur Fahrerentlastung bei der Einstellung und Bedienung der Maschinen wird vorgestellt. Im Bereich Einzelkornsaat wird ein komplett neu entwickeltes System mit geregeltem Korntransport in das Schar präsentiert. Weitere Entwicklungen betreffen die reduzierte Bodenbearbeitung zur Aussaat von Zuckerrüben so-wie die Erkennung von Feinsaaten mittels optischer Sensoren.

Volltext

Einleitung

Die Sätechnik trägt im modernen Landwirtschaftsbetrieb weiterhin entscheidend zu hohen Pflanzenerträgen und Betriebsergebnissen bei. Die Anwender möchten optimale Stand-genauigkeiten der Pflanzen im Feld bei zunehmenden Arbeitsgeschwindigkeiten erzielen und gleichzeitig von Kontroll- und Überwachungsaufgaben während der Arbeit entlastet werden. Dieses Ziel erfordert die Optimierung der Sätechnik in Bezug auf hohe Geschwindigkeiten sowie den Einsatz intelligenter Elektronik in allen Teilbereichen der Saat- und Düngerablage.

Drillsaat

Das von Horsch entwickelte Einzelkorndosiersystem mit dem Ziel der verbesserten Längs-verteilung bei der Aussaat von Getreide und Raps wurde weiter optimiert, getestet und in seinen technischen Einzelheiten vorgestellt [1]. Jede Säreihe enthält ein von einem DC-Motor angetriebenes Vereinzelungsaggregat mit einer austauschbaren Vereinzelungs¬scheibe (Bild 1). Das Aggregat puffert den vom Verteiler kommenden zeitlich un¬regelmäßigen Saatgutstrom und gibt anschließend eine definierte Anzahl von Körnern pro Umdrehung an das Säschar ab. Jede Säreihe verfügt über einen Controller (Reihen-ECU), der die Motordrehzahl, basierend auf der gewünschten Aussaatmenge (Körner pro Fläche) und der aktuellen Fahrgeschwindigkeit, regelt. Die Reihencontroller sind über CAN-Bus mit der ECU der Sämaschine verbunden. Weiterhin verfügt jede Säreihe über zwei Sensoren: Ein Piezosensor an der Saatleitung zwischen Verteilerkopf und Schar zählt die Körner und sendet dieses Signal via Sensor- ECU an den Maschinen- CAN-Bus. Ein weiterer optischer Sensor erfasst den Kornabstand zwischen Vereinzelung und Auftreffpunkt in der Furche.

Bild 1: Schematische Darstellung einer Säreihe mit Vereinzelungsaggregat [1]

Figure 1: Schematic overview seed row unit with singling system [1]

Die Regelalgorithmen sind flexibel gestaltet. In der einfachsten Form erfolgt die Regelung der Motordrehzahl ausschließlich auf der Basis von Aussaatmenge und Fahrgeschwindig¬keit. In weiteren Ausbaustufen werden die Sensorsignale verwendet, um die Drehzahl der Vereinzelungsscheibe zusätzlich entsprechend des aktuellen Pufferfüllgrades zu variieren. Ergebnisse von Labor- und Feldversuchen zeigen, dass das System den Variations-koeffizienten der Kornlängsverteilung von 90–100 % auf 15–45 % reduzieren kann. Im Labor sind 15–25 % möglich, die Werte hängen stark von der Qualität des Saatgutes ab. Die Pie-zosensoren erreichten im Laborversuch 98 % Zählgenauigkeit. In Feldversuchen zeigte sich weiterer Entwicklungsbedarf, insbesondere bei den optischen Sensoren beim Einsatz im Raps.

MSO bietet den Mikrowellensensor "SeeDector" jetzt als komplettes Überwachungssystem für verschiedene Einsatzmöglichkeiten an. Unter der Bezeichnung "SeedMon" kann das Sys-tem den Gegebenheiten der Maschinen angepasst werden und sowohl zur Saat-flussüberwachung bei Drillmaschinen als auch zur Blockadeerkennung bei der Reihen-düngung, z.B. bei der Maisaussaat, zum Einsatz kommen [2 bis 4]. Die Sensoren werden außen auf die vorhandenen Sä- oder Düngerschläuche montiert und bilden dadurch keine zusätzlichen Verstopfungsmöglichkeiten. Das Messprinzip der Durchflussmessung basiert auf dem Dopplereffekt. Frequenz und Amplitude des resultierenden Schwebungssignals aus gesendeten und am Fördergut reflektierten elektromagnetischen Wellen werden aus¬ge¬wertet. Die Frequenz korreliert mit der Flussgeschwindigkeit und die Amplitude mit der Menge der Körner. Das System erkennt Verstopfungen bereits im frühen Stadium, was besonders für die Rapsaussaat von Vorteil ist. Das verwendete Messprinzip macht den Sensor unempfindlich gegen Ablagerungen und Verschmutzungen im Schlauch.

Amazone stellt mit dem TwinTerminal 3.0 ein System zur Fahrerentlastung beim Kalibrieren der Cirrus 03-Sämaschinen vor (Bild 2). Bedienung und Dateneingabe für den Kalibriervor-gang sind damit direkt an der Maschine möglich, weshalb das mehrfache Ab- und Aufsteigen vom bzw. auf den Traktor entfällt [5].

Bild 2: TwinTerminal 3.0 [5]

Figure 2: TwinTerminal 3.0 [5]

Einzelkornsaat

In Deutschland wurden 2013 knapp 3 Mio. ha mit Einzelkornsämaschinen bestellt, gegen¬über ca. 8 Mio. ha bestellter Fläche im Drillsaatverfahren (Tafel 1). Mehr als 85 % der im Einzelkornverfahren bestellten Fläche entfielen auf Mais.

Tafel 1: Flächen für Einzelkornsaat in Deutschland 2013 [6;7]

Table 1: Areas for precision seeding in Germany 2013 [6;7]

Einzelkornsämaschinen haben in den vergangenen Jahren eine starke technische Weiter-entwicklung erfahren. Wichtige Gründe hierfür sind z.B. der wachsende Flächenanteil der Einzelkornsaat in Deutschland und dessen Nachbarländern, die Förderung der Engsaat bei Mais, der Einsatz von Hybridsaatgut bei Raps, sowie die zunehmende Verfügbarkeit elek-trischer Antriebe und ISOBUS- Technologien.

In den letzten Jahren gab es verstärkte Bemühungen der Hersteller, die Arbeitsgeschwindig-keit bei der Einzelkornsaat weiter zu erhöhen, ohne die Ablagegenauigkeit zu beeinträchtigen. Dabei konzentrierten sich die Konstrukteure auf die Verbesserung der Prozessgenauigkeit nach dem Lösen der Körner von der Säscheibe (Amazone, Horsch, Lemken, Väderstad) [8 bis 10].

John Deere stellte 2014 ein neu entwickeltes Vereinzelungssystem mit der Bezeichnung "ExactEmerge" vor, das zur SIMA 2015 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde [11]. Die Kornvereinzelung erfolgt pneumatisch mit Unterdruck. Neu und bisher einmalig am Markt ist ein umlaufendes Bürstenband, das die vereinzelten Körner in das Schar transportiert (Bild 3). Dadurch soll die beim Vereinzeln erzielte exakte Kornverteilung bis zum Ablage¬punkt am Furchengrund erhalten bleiben. Jedes Säaggregat verfügt über zwei bürstenlose Elektromotoren, die die Säscheibe und das Bürstenband separat antreiben. Der Hersteller gibt für dieses System eine gleichbleibende Ablagegenauigkeit bis 16 km/h (10 mph) an [12].

Bild 3: Vereinzelungssystem ExactEmerge

Figure 3: Singulation system ExactEmerge

Schulze-Lammers und Schmittmann entwickelten ein Schlitzsägerät für die einphasige Aus-saat von Zuckerrüben [13; 14]. Das Gerät lockert den Boden tiefgründig (bis 25 cm) in der Reihe, um günstige Voraussetzungen für die Wurzelentwicklung bei Pfahlwurzlern zu schaf-fen. Es verfügt im vorderen Bereich über Schneidseche, Lockerungszinken, Profilrad und Hohlscheiben (Bild 5). Anschließend folgt ein serienmäßiges Einzelkornsägerät mit Mulch-saatausrüstung, die Gesamtlänge der Maschine beträgt 3 m.

Bild 5: Schlitzsägerät für Zuckerrüben [13]

Figure 5: Strip-till seeder for sugar beets [13]

Das System wurde in zwei Versuchsjahren in den Anbauvarianten Strohmulch und Senf (Vorfrucht Gerste, flache Stoppelbearbeitung) mit dem betriebsüblichen Anbau (Pflugeinsatz und Sekundärbodenbearbeitung) verglichen. Es zeigte sich, dass das Verfahren trotz der geringeren Bearbeitungsintensität vergleichbare Rüben- und Zuckererträge erzielen kann.

Kverneland entwickelte das zur Agritechnica 2013 vorgestellte optische Überwachungs-system für Feinsaaten weiter (Bild 4). Das System erkennt neben Fehlstellen mittels einer permanenten Kalibrierung und Echtzeit-Bildverarbeitung auch Doppel- und Dreifach-belegungen. Dies dient der Einsparung des oft sehr teuren Saatgutes [15].

Bild 4: Kameragestütztes Überwachungssystem für Feinsaatgut "VIcheck" [15]

Figure 4: Camera based mointoring system for fine seeds "VIcheck" [15]

Die variable Tiefenablage bei der Maisaussaat, basierend auf einer Echtzeit - Feuchtemes-sung des Bodens, wird in [16] vorgestellt. Ein kapazitiver Sensor [17] ermittelt den Boden-feuchtegehalt in 5 cm Tiefe und liefert die Eingangsgröße für die Regelung der Ablagetiefe im Bereich 1 - 3 in (2,5 - 7,5 cm). Erste Feldversuche ergaben jedoch keine signifikanten Ertragsunterschiede durch die Regelung der Ablagetiefe, was nach Meinung der Autoren auf die feuchten Witterungsbedingungen im Frühjahr zurückzuführen ist. Die Versuche werden fortgesetzt.

Koller et al. analysierten mit einem dreidimensionalen Messsystem das Flugverhalten ver-einzelter Maiskörner nach dem Abwurf von der Säscheibe an einem Vereinzelungsaggregat John Deere Pro-Series XP [18]. Eine Hochgeschwindigkeitskamera zeichnet die Trajektorien der Körner in zwei Ebenen auf, wobei eine Ebene mittels eines Spiegels in die Filmebene geklappt wird. Die im Feld auftretenden Vertikalbeschleunigungen simulierte man durch die Montage der Messeinrichtung auf einem Schwingtisch. Das System ist geeignet für die Mes-sung der Vereinzelungsgenauigkeit und zeigte deutliche Unterschiede zwischen zwei ver-wendeten Säscheiben.

Gürsoy untersuchte die Wirksamkeit von Row Cleanern bei der Mulchsaat von Mais mit Ge-schwindigkeiten von 5 - 6,5 km/h [19]. Durch die Verwendung dieser Baugruppe verbesserten sich Feldaufgang und Standgenauigkeit. Bei Erhöhung der Geschwindigkeit zeigten die Row Cleaner eine verbesserte Wirkung. Dazu wurden die Parameter Masse der geräumten Pflanzenrückstände an der Oberfläche und Masse der Pflanzenrückstände in der Furche (hairpinned residue) ausgewertet.

Zusammenfassung

Kornerfassung und Gutstromüberwachung sind aktuelle Entwicklungsschwerpunkte bei Drillmaschinen. Mikrowellensensoren zur Gutstromüberwachung haben mittlerweile Markt-reife erreicht und können wahlweise in pneumatischen Drillmaschinen oder in Reihen-düngerstreuern bei der Einzelkornsaat genutzt werden. Ein System zur Einzelkornsaat von Getreide und Raps mit piezoelektrischer Körnerzählung und aktiv geregelter Kornvereinze-lung befindet sich im Vorserienstadium. Hohe Standgenauigkeit bei der Maisaussaat mit Ge-schwindigkeiten bis 16 km/h unter Mulchsaatbedingungen sind das Ziel eines neu entwickel-ten Vereinzelungssystems mit zwei separaten elektrischen Antriebsmotoren und einem Bürs-tenband für den geregelten Korntransport in das Schar. Weitere aktuelle Entwicklungen zur reduzierten Bodenbearbeitung bei der Aussaat von Zuckerrüben sowie optische Sensoren für die Erkennung von Fehl- und Doppelbelegungen bei der Vereinzelung von Feinsaaten wie Gemüse, Blumen und Heilkräuter werden vorgestellt.

Literatur

[1] Rothmund, M.; et al.: Approach for a single seed precise control system for small grains based on Piezo-electric and optical sensors. VDI-MEG Tagung Landtechnik 19.-20. November 2014 Berlin, In: VDI-Berichte 2226, S. 215-220. Düsseldorf: VDI-Verlag 2014.

[2] -,-: SeedMon. Blockademonitor-System zur Sämaschinenüberwachung mit MSO See-Dector Sensoren. Produktinformation MSO Meßtechnik und Ortung GmbH, Bad Müs-tereifel, 2013.

[3] Küper, J. M.: Sicherer mit Sensor. top agrar 43 (2014) H.8, S. 108-109.

[4] Böhrnsen, A.; Holtmann, W.: Späte Überraschungen ausgeschlossen. Profi 27 (2015) H.1, S. 92-95.

[5] -,-: Comfort-Paket mit TwinTerminal 3.0 für die Sämaschinen Cirrus 03. Presseinforma-tion August 2014, AMAZONEN-WERKE H. DREYER GmbH & Co. KG, Hasbergen-Gaste.

[6] -,-: Statistisches Jahrbuch 2013, Statistisches Bundesamt 2014.

[7] -,-: Anbauflächen 2013, URL http://www.zuckerverbaende.de/zuckermarkt/zahlen-und-fakten/eu-zuckermarkt/zuckererzeugung.html - Aktualisierungsdatum: 03.02.2014.

[8] -,-: Tempo. Prospekt, Väderstad-Verken AB 2013.

[9] -,-: EDX. Prospekt, Amazonen-Werke H. Dreyer GmbH & Co. KG 2013.

[10] -,-: Maestro. Prospekt, Horsch Maschinen GmbH 2013.

[11] Bournigal, J. M.; et al: Innovation in Agro-Equipment and the main trends of SIMA-SIMAGENA 2015. Online verfügbar unter http://www.simaonline.com/ (abgerufen am 23.01.2015).

[12] -,-: ExactEmerge and MaxEmerge5 Row Units. Prospekt, John Deere 2014.

[13] Schulze-Lammers, P.; Schmittmann, O.: Schlitzsägerät für die einphasige Aussaat von Zuckerrüben. Landtechnik 69 (2014) H.3, S. 139-142.

[14] Schulze-Lammers, P.; Schmittmann, O.: Entwicklung eines Schlitzsägerätes für Zu-ckerrüben und Ergebnisse von mehrjährigen Feldversuchen. VDI-MEG Tagung Land-technik 19.-20. November 2014 Berlin, In: VDI-Berichte 2226, S. 209-214. Düsseldorf: VDI-Verlag 2014.

[15] -,-: VIcheck, Prospekt, Kvernelandgroup Soest GmbH 2013.

[16] René-Laforest, F.; et al.: Variable Depth Planting of Corn. 2014 ASABE and CSBE/SCGAB Annual International Meeting Montreal, Quebec Canada, July 13 – 16, 2014. Paper Number: 141912822.

[17] Mastorakos, M.: Development of a capacitance-based sensor for on-the-go soil mois-ture measurements. In: Transactions of the Fourth International Symposium on Soil Water Measurement Using Capacitance, Impedance and TDT, Montreal, Quebec, Canada, 16-18 July 2014.

[18] Koller, A.; et al.: Test method for precision seed singulation systems. Transactions of the ASABE Vol. 57(5), 2014, S. 1283-1290.

[19] Gürsoy, S.: Performance Evaluation of the row-cleaner on a No-Till planter. Transac-tions of the ASABE Vol. 57(3), 2014, S. 709-713.

Schlagworte:
Drillsaat, Einzelkornsaat
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Empfohlene Zitierweise:
Meinel, Till: Sätechnik. In: Frerichs, Ludger (Hrsg.): Jahrbuch Agrartechnik 2014. Braunschweig: Institut für mobile Maschinen und Nutzfahrzeuge, 2015. – S. 1-9
Review am 10.02.2015

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