Article in yearbook 2019

History of Agricultural Engineering Looking to the future – considerations of the agricultural history museums

Abstract:

Today's society is changing rapidly and with it its interests and perspectives. People who visit a museum expect different things from it than visitors 15 years ago. This also had and still has an impact on the Kiekeberg open-air museum's exhibition concept and all other agricultural museums in general. Museums used to look back in time when they presented agricultural topics, but nowadays it is necessary to include the present and the future when dealing with this field of research, often even including the food production and processing process.

Long version

Sammlungstätigkeit in agrarhistorischen Museen

Viele der heute aktiven agrarhistorischen Museen entstanden in einer Zeit, als die Motorisierung der Arbeitsprozesse auf den Feldern und Höfen zunehmend Auswirkung auf die landwirtschaftliche Produktion nahm. Mit dem Erhalt von Zeugen der bisherigen Produktionsweise war vor allem beabsichtigt, die Erinnerung an die mit großen Mühen und hohen Aufwendungen verbundene Produktion von Nahrungsgütern in der Vergangenheit zu bewahren und auch die Leistungen der Handwerker, Techniker und Ingenieure bei der Entwicklung und Herstellung der in dieser Zeit angewendeten landtechnischen Arbeitsmittel zu würdigen.

Zur Darstellung dieser Sachverhalte dienten zunächst vor allem die Hand- und Gespanngeräte sowie die von menschlicher und tierischer Muskelkraft angetriebenen Maschinen. Das Sortiment und die dafür notwendigen Ausstellungsflächen blieben dabei überschaubar.

Die ersten aufwendigeren Exponate stammen aus den Anfängen der Motorisierung. Es waren vor allem die Dampflokomobilen und kombinierten Dreschmaschinen. Es folgten die Motorgeräte auf der Basis von Verbrennungsmotoren mit Baujahren ab den 1920er/1930er Jahren. Mit den Entwicklungen bei den Traktoren ab den 1950er Jahren wurden diese Motorgeräte in der landwirtschaftlichen Praxis ersetzt und gelangten in der Regel als begehrte Exponate in großer Zahl in die im Aufbau befindlichen Museen und Sammlungen.

Durch die Entwicklung zur Vollmechanisierung der landwirtschaftlichen Produktion ab den 1950er Jahren erweiterte sich das Sortiment der landtechnischen Arbeitsmittel mit großer Dynamik. Hinzu kam der relativ schnelle Anstieg der Leistungsparameter der Mechanisierungsmittel, wodurch sich die Nutzungszeitspannen einzelner Erzeugnisgenerationen bis zu ihrer Aussonderung immer mehr verkürzten. Damit hatten die Museen eine zunehmende Zahl von Anbietern von „alter“ Landtechnik, wobei die Museen gelegentlich auch als Entsorgungsstelle für die nicht mehr benötigte Technik missbraucht wurden und werden.

In der Zeit der eher sporadischen Sammlungsaktivitäten waren die vorhandenen Objekte der Ausgangspunkt für die Ausstellungsgestaltung, indem man „aus dem was man hatte etwas zu machen“ versuchte. Zunehmend wurde dazu übergegangen, zunächst die beabsichtigten Botschaften für die Besucher und damit das Ausstellungskonzept zu definieren und daraus die erforderlichen und zu beschaffenden Exponate abzuleiten.

Davor wurden oftmals auch Objekte übernommen, die in der Regel zwar alle ihren historischen Stellenwert hatten, für deren Einordnung in die Ausstellung jedoch keine Möglichkeiten bestanden. Es begann der Aufbau von Archivbeständen, die, obwohl ebenfalls zum Aufgabenbereich eines Museums gehörend, sich zunehmend zu einem Problem entwickelten.

Sammlungstätigkeit im Freilichtmuseum am Kiekeberg

Der überwiegende Teil der landtechnischen Sammlung des Freilichtmuseums am Kiekeberg wurde in den 1980er und 1990er Jahren vom früheren Museumsdirektor Rolf Wiese zusammengetragen. Diese Sammlungstätigkeit fand im Vergleich mit anderen Museen verhältnismäßig spät statt [1].

1987 startete das Freilichtmuseum als Kreismuseum des Landkreises Harburg. Ein eigener Exponat- und Sammlungsbestand existierte zu diesem Zeitpunkt nicht, so dass die Sammeltätigkeit in allen thematischen Bereichen des Freilichtmuseums von Neuem startete. [2] So konnte ein relativ gezielter Sammlungsbestand im Bereich der Landtechnik aufgebaut werden. Wichtige Sammlungsbereiche bestanden ursprünglich aus Exponaten von Landwirtschaftsschulen und Behörden (Lehrmaterial) sowie aus dem Bereich Milchwirtschaft mit der Übernahme eines kleinen milchwirtschaftlichen Museums und diverser Nachlässe [2]. Ein Schwerpunkt lag dabei auf landwirtschaftlichen Geräten mit regionalem Bezug.

Zu der wachsenden Sammlung gehörten auch große Maschinen wie ein Dampfpflug der Firma Fowler aus dem Jahr 1919, den das Museum in England erwarb. Darüber hinaus wurden eine Reihe von Modellen erworben, die in der Modellbauwerkstatt des landwirtschaftlichen Museums Gödöllö in Ungarn auf Bestellung angefertigt wurden.

Mit der intensiven Sammlungstätigkeit waren die verfügbaren Ausstellungsmöglichkeiten sehr schnell erschöpft, so dass Magazinflächen, meist in ungenutzten Scheunen, geschaffen werden mussten. Daneben konnte durch Weitergabe oder Austausch von Exponaten mit anderen Museen die Sammlung weiter qualifiziert werden [2].

Ungeachtet dessen besitzt auch die Sammlung des Freilichtmuseums am Kiekeberg noch Optimierungspotential, das unter der Zielrichtung einer Sammlungserweiterung auf die Entwicklungen der Landtechnik in der Gegenwart und Zukunft zu nutzen sein wird. So besitzt das Museum eine relativ umfangreiche Sammlung von Motorgeräten und Traktoren aus der Anfangszeit bis in die 1960er Jahre (Tabelle 1). Auch andere Museen verfügen über teilweise relativ große Bestände an Exponaten, von denen viele einen mehr oder weniger vergleichbaren Stellenwert in der Entwicklungsgeschichte der Landtechnik haben.

Die landtechnischen Sammlungsobjekte im Freilichtmuseum am Kiekeberg reichen bis in die 1960er Jahre. Es gibt nur wenige Exponate jüngeren Datums. Die Darstellung der jüngeren Vergangenheit stand bisher nicht im Vordergrund, gemäß der weit verbreiteten Auffassung, dass „museumsreife“ Sachverhalte mindestens 50 Jahre zurückliegen sollten. Hinzu kommen die meist hohen Anschaffungskosten für Exponate der jüngeren Vergangenheit. Durch die Zusammenarbeit mit einem Lohnunternehmer, der zeitweise einige seiner modernen Maschinen auf unserem Gelände für die Besucher verfügbar macht, wird hier ein Ausgleich geschaffen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Tabelle 1: Auswahl aus der etwa 40 Traktoren und Motorgeräte umfassenden Sammlung des Freilichtmuseums am Kiekeberg mit dem Versuch einer Einordnung und Bewertung der Exponate

Table 1: Selection from the collection of the Kiekeberg open-air museum, which comprises around 40 tractors and motorised equipment, with an attempt to classify and evaluate the exhibits

Das Ausstellungskonzept im neu errichteten Agrarium

Mit dem Bau des „Agrariums“ 2012 konnte die bis Anfang der 2000er Jahre gezeigte Dauerausstellung „Landtechnik“ den Besuchern wieder zugänglich gemacht und gleichzeitig an Stelle einer reduzierten Schlaglichtausstellung eine Art Schaumagazin errichtet werden (Bild 1). Darüber hinaus entstanden zunehmend interaktive Ausstellungsbereiche.

Bild 1: Ansicht der als Schaumagazin gestalteten Präsentation der Sammlung von etwa 50 Traktoren und Motorgeräten im Freilichtmuseum am Kiekeberg

Figure 1: View of the presentation of the collection of about 50 tractors and motorised equipment in the Kiekeberg open-air museum

 

Für das Ausstellungskonzept des Agrariums im Freilichtmuseum am Kiekeberg waren vor allem folgende Aspekte relevant:

  • Verbindung Land- und Ernährungswirtschaft mit Darstellung der gesamten Produktionskette von der Erzeugung bis zur Verarbeitung und Herstellung des Nahrungsmittelendproduktes an Hand ausgewählter Beispiele.
  • Darstellung der Entwicklung der Produktionstechnik von den Anfängen auf der Basis von Handwerkzeugen und Gespanntechnik bis zu den automatisierten Lösungen der Gegenwart für ausgewählte Produktionsprozesse. Hervorgehoben werden dabei die Meilensteine der Entwicklung, mit denen durch Veränderung der Verfahren und/oder der Produktionstechnik wesentliche Verbesserungen, vor allem in der Produktivität und den Arbeitsbedingungen erreicht wurden (Bild 2).
  • Darstellung ausgewählter Episoden und Geschichten aus der landwirtschaftlichen und landtechnischen Entwicklung mit Bezug auf die damit verbundenen herausragenden Personen und Unternehmen unter besonderer Berücksichtigung von Ereignissen aus der Region.

Bild 2: Tendenz für die Entwicklung des Aufwandes menschlicher Arbeit (Arbeitskraftstunden) in Verbindung mit der Mechanisierung der Getreideernte für die Prozessabschnitte Mähen und Garbenbinden am Beispiel von Exponaten des Freilichtmuseums am Kiekeberg

Figure 2: Tendency for the development of the amount of human labour (man-hours) in connection with the mechanisation of grain harvesting for the process stages of mowing and sheaf-binding, using the example of exhibitions from the Kiekeberg open-air museum

  • Neben den historischen Darstellungen geht es um die Vermittlung von Information zum gegenwärtigen Stand und die künftige Entwicklung in der Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion. In diesem Teil der Ausstellung ist eine kontinuierliche Aktualisierung erforderlich.

Dem Freilichtmuseum am Kiekeberg stehen im Agrarium neben der Dauerausstellung auch weitere Möglichkeiten für die Vermittlung aktueller Themen zur Verfügung. Dazu gehören Sonderausstellungen, die regelmäßig zu ausgewählten Themen gezeigt werden, darunter solche Themen wie die Auswirkungen von DNA in Lebensmitteln, der Prozess moderner Brotherstellung, Fragen rund um die Lebensmittelverschwendung oder die Grundlagen ökologischer Landwirtschaft.

Weiterhin bietet das Agrarium regelmäßig Podiumsdiskussionen mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und der Öffentlichkeit zu aktuellen Fragestellungen der Land- und Ernährungswirtschaft an. Die zuletzt genannten Aktivitäten unterstützen die Inhalte der Dauerausstellung, deren Kern nach wie vor die Exponate sind. Sie stellen die Museumsarbeit vor die Herausforderung, durch ihre Interpretation und Erkundung an aktuelle Fragestellungen anzuschließen [3].

Neben den Exponaten, die die Art und Weise der Produktion wesentlich verbessert haben oder/und die durch eine effektive Fertigung in hohen Stückzahlen in der Landwirtschaft zum Einsatz gekommen sind und damit das Bild der Landtechnik auf Feldern und Höfen prägten, hat das Museum in seiner Sammlung auch zahlreiche Exponate, die man als Unikate oder auch Fehlversuche der Entwicklung ohne große Praxiswirkung einordnen muss. Obwohl gerade diese Unikate bei den Besuchern oftmals ein besonderes Interesse finden, wollen wir die Aufmerksamkeit doch vorwiegend auf die erstgenannte Kategorie lenken.

In Verbindung mit den veränderten Sammlungs- und Ausstellungskonzepten ist es unumgänglich, die vorhandene Sammlung immer wieder zu analysieren. Dies hat zur Konsequenz, dass gelegentlich eine Qualifizierung der Sammlung in Form einer Aussonderung erfolgen muss, weil auch die Möglichkeiten zur Wahrnehmung der museumseigenen Magazinfunktion begrenzt sind.

Besucherinteressen im Wandel

In den Anfangsjahren haben die meisten Besucher in den agrarhistorischen Museen die ihnen noch sehr gut bekannte Arbeitswelt wiedergefunden oder hatten gute Kenntnisse von der Landwirtschaft, obwohl sie in anderen Bereichen tätig waren. Wenn Anfang der 1950er Jahre noch mehr als 20 % der Erwerbstätigen in Deutschland in der Landwirtschaft beschäftigt waren, dann hatte dieser Bereich einen sehr großen gesellschaftlichen Stellenwert.

Mit zunehmender Produktivität, steigenden Erträgen und sinkender Beschäftigtenzahl in der Landwirtschaft verringerten sich in der Bevölkerung die Kenntnisse und das Interesse an der Produktion von Nahrungsmitteln. Die ausreichende Verfügbarkeit eines breiten Sortiments hochwertiger Nahrungsmittel ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden, über deren Entstehen sich der größte Teil der Bevölkerung keine Gedanken machen muss. Für eine zunehmende Anzahl interessierter Besucher konnten die agrarhistorischen Museen mit geeigneten Darstellungen diese Wissenslücken schließen und die teilweise verloren gegangene Achtung und das Verständnis für die Tätigkeiten zur Sicherung dieses Grundelementes der menschlichen Existenz wieder etwas auffrischen.

Mit einem Anteil von etwa 2 % an den Erwerbstätigen ist die Landwirtschaft Anfang des 21. Jahrhunderts in unserem Land zu einer gesellschaftlichen Nebensache geworden (Bild 3).

Stattdessen wird das Interesse der Gesellschaft an der Landwirtschaft zunehmend durch die mit der Produktivitäts- und Leistungsentwicklung verbundenen Nebenwirkungen geweckt. Zu diesen Nebenwirkungen gehören vor allem die Vergrößerung der Betriebe, Felder und Tierbestände sowie der Produktionstechnik mit ihren Folgewirkungen. Dazu kommt der wachsende Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Aus diesen Entwicklungen werden auch von den weniger informierten Teilen der Bevölkerung zunehmend schädigende Wirkungen auf Natur und Umwelt abgeleitet, womit die Landwirtschaft immer mehr in das Kritikfeld der Gesellschaft gerät.

Stark gestiegen ist das Interesse der Bevölkerung in den vergangenen Jahren sowohl in Bezug auf Ernährungsstile, als auch in Bezug auf die ökologischen Aspekte der Nahrungsmittelproduktion. Dies belegt eine Besucherbefragung, die das Freilichtmuseum am Kiekeberg unmittelbar nach der Eröffnung des Agrariums durchgeführt hat. Befördert durch soziale Medien wurde die Frage nach der eigenen Ernährung immer mehr in die Öffentlichkeit getragen. Die Spezialisierung auf bestimmte Ernährungsstile wie vegetarisch, vegan, frei von Kohlenhydraten etc. ist sowohl durch Gesundheitsinteressen, als auch durch politische Motive wie Klima- oder Tierschutz getragen.

Bild 3: Entwicklung des Anteils der Beschäftigten in der Landwirtschaft an den Erwerbstätigen in Deutschland nach [4]

Figure 3: Development of the share of employees in agriculture as a percentage of the total workforce in Germany according to [4]

Blickrichtung Zukunft

Unter diesem Aspekt orientiert sich das Freilichtmuseum am Kiekeberg darauf, in seine Ausstellung einige Überlegungen zur künftigen Entwicklung der Landwirtschaft einzubeziehen. Aus den gegenwärtig geführten Diskussionen ist zu entnehmen, dass es für die Gestaltung der künftigen Landwirtschaft, für die in Analogie zur Industrie gelegentlich auch der Begriff Landwirtschaft 4.0 benutzt wird, noch keine abgeschlossenen Konzepte gibt.

Selbstverständlich fühlen wir uns als Museum weder berufen noch in der Lage, solche Konzepte zu entwickeln. Allerdings bietet sich mit den Agrarmuseen eine Einrichtung an, die durch ihre neutrale Stellung in der Gesellschaft in sachkundiger und unbefangener Art und Weise als Vermittler von Überlegungen zur künftigen Entwicklung in der Landwirtschaft teilnehmen kann. Die bisher für die Museen definierten Aufgabengebiete werden sich damit wesentlich verändern und erweitern.

Dabei bietet die Darstellung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unter einem Dach in hervorragender Weise die Möglichkeit, aus dem Studium der Vergangenheit geeignete Erkenntnisse für die Gestaltung der Zukunft zu gewinnen. Obwohl die Tatsache, dass man aus der Vergangenheit Vieles für die Zukunft ableiten kann, sehr wohl bekannt ist und auch immer wieder artikuliert wird, findet diese Weisheit in der praktischen Arbeit meist zu wenig Beachtung.

Die Darstellungen im Agrarium dürften die Besucher sicherlich sehr schnell zu der Erkenntnis bringen, dass die Zukunft unserer Landwirtschaft nicht in einer Rückkehr zu der in der Vergangenheit von unseren Vorvätern praktizierten Produktionsweise, die gelegentlich und meist aus Unkenntnis der tatsächlichen Gegebenheiten glorifiziert wird, bestehen kann. Einen dafür notwendigen Anteil von etwa 20 % der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft führt solche Überlegungen sehr schnell ad absurdum.

In unserer Ausstellung werden wir zunächst darauf hinweisen, dass Entwicklungsfortschritte in der Vergangenheit immer dann erzielt wurden, wenn es gelungen ist, die Defekte der aktuellen Produktionsweise und -technik zu erkennen und diese mit geeigneten Mitteln zu überwinden [5]. Wendet man dieses Prinzip auf die Gegenwart und Zukunft an, dann sollte die künftige Landwirtschaft nicht mehr durch die gegenwärtig bestehenden Defekte belastet sein. Wir werden uns dabei mit einigen dieser Defekte sachkundig auseinandersetzen und den notwendigen Änderungsbedarf signalisieren.

Andererseits möchten wir einige Bespiele für zukunftsträchtige Lösungen darstellen, die bereits in Anwendung sind oder von denen man in absehbarer Zeit eine praktische Anwendung erwarten kann. Dazu gehören vor allem die Prinzipien des Precision Agriculture, mit denen die Befindlichkeiten von Pflanzen und Tieren und ihre Leistungen exakt überwacht und durch zielgerichtete Versorgung optimal und umweltschonend gesteuert werden können, sowie der bereits erreichte hohe Stand der Vernetzung der Prozesse und Einrichtungen für die landwirtschaftliche Produktion.

Hervorheben werden wir auch einige der in Anwendung befindlichen Lösungen zur Prozessautomatisierung in Verbindung mit der gravierenden Veränderung der Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in der Landwirtschaft [4]. Als konkrete Objekte sind unter anderem vorgesehen:

  • Unkrautbekämpfung in Reihenkulturen mit der Entwicklung von der mechanischen Handhacke über den Herbizideinsatz zu bild- und sensorgesteuerten Unkrautbeseitigungswerkzeugen
  • Das System der schwarmgesteuerten Feldroboter als Möglichkeit zur Reduzierung der Masse der mobilen Landtechnik und der effektiven Bewirtschaftung auch von kleineren Flurstücken
  • Die Entwicklung der Milchgewinnung vom Handmelken bis zum Melkroboter, mit einer effektiven Vollautomatisierung dieses Prozesses

Mit der Darstellung solcher Lösungen bzw. Lösungsansätze können wir sicherlich dazu beitragen, dass der interessierte, aber meist wenig informierte Besucher das Feld unsachlicher Kritiken verlässt und Vertrauen für die künftige Landwirtschaft gewinnt.

Aus der Sicht der Kosten und der beschränkten Räumlichkeiten gehen wir davon aus, dass für die Umsetzung eines solchen Ausstellungskonzeptes in der Regel keine Großmaschinen erforderlich sind. Dennoch wissen wir um die Faszination, die die modernen landtechnischen Maschinen als Objekt auf die Besucher ausüben und werden den Wunsch nach der Präsentation von modernen Maschinen in Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner umsetzen. Die Anschaffung eigener moderner Großmaschinen erweist sich für das Freilichtmuseum am Kiekeberg nicht praktikabel [6].

Für die konkrete Vermittlung technischer Entwicklungen wird sich das Museum auf die Teile und Elemente beschränken können, bei denen die Veränderungen gegenüber der Vergangenheit besonders sichtbar werden. Bei einem Mähdrescher sind das beispielsweise weniger die Dreschtrommel und der Hordenschüttler, sondern der Fahrerstand mit den Bedienelementen. Hier gehen wir davon aus, dass eine Vermittlung mit Hilfe digitaler Medien oftmals effektiver ist, als die Präsentation aufwendiger technischer Objekte.

 

 

Literatur

[1]     Herrmann, K.: Vom Leiterwagen zum Mähdrescher - Landtechnik in den deutschen Agrarmuseen. In: Dreyer, M.; Eggert, A.; Wiese, G. (Hrsg.): Museum machen. Museen zwischen Volkskunde und Management. Eine Festschrift für Rolf Wiese zum 65. Geburtstag, Rosengarten-Ehestorf, 2017.

[2]     Wiese, R.: Das Freilichtmuseum am Kiekeberg – von den Anfängen der Sammlung bis zum Agrarium. In: Schürmann, T.; Wiese, R. (Hrsg.): Essen ist fertig! Land- und Ernährungswirtschaft im Agrarium des Freilichtmuseums am Kiekeberg, Rosengarten-Ehestorf, 2012.

[3]     Wenk, B.: Technikmuseen als „Orte der Orientierung“ für die Veränderungsprozesse ihrer Zeit. In: Habsburg-Lothringen, B. (Hrsg.): Dauerausstellungen. Schlaglichter auf ein Format, Bielefeld, 2012.

[4]     Krombholz, K.: Zur Entwicklung von Technologie, Technik und Produktivität in der Landwirtschaft Deutschlands. Förderverein des Deutschen Landwirtschaftsmuseums, Universität Hohenheim, 2018, ISBN 987-3-9817225-5-0.

[5]     Krombholz, K.: Gedanken zur Vorgeschichte von Landwirtschaft 4.0. In: Frerichs, L. (Hrsg.): Jahrbuch Agrartechnik 2018. Braunschweig: Institut für mobile Maschinen und Nutzfahrzeuge, 2019.

[6]     Schürmann, T.: Moderne Landwirtschaft im Freilichtmuseum, an niedersächsischen Beispielen. In: Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie (ZAA).

Autorendaten

Heike Duisberg-Schleier ist Ausstellungskuratorin und verantwortlich für den Betrieb des Agrariums im Freilichtmuseum am Kiekeberg.

Keywords:
Museum activities, Agricultural engineering
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Duisberg-Schleier, Heike: Looking to the future – considerations of the agricultural history museums. In: Frerichs, Ludger (Hrsg.): Jahrbuch Agrartechnik 2019. Braunschweig: Institut für mobile Maschinen und Nutzfahrzeuge, 2020. – pp. 1-11
Review date 26.01.2020

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