Article in yearbook 2021

General Development DLG-Agrifuture Insights: Climate and environmental protection of increasing importance for agriculture

Abstract:

The assessment of the current business situation in 2021 is strongly influenced by the pandemic and the African swine fever. Nevertheless, there is still a high investment potential in plant production. Pig farming is under enormous economic pressure and needs planning security for the future. Increasing efficiency is the absolute focus across all production directions and will remain important due to rising input and energy prices. In addition, environmental and climate protection services are increasingly being applied on farms, which, in addition to increasing efficiency, also allows the sustainability issue to flow into the strategy.

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Aktuelle Geschäftslage

Die Landwirtschaft in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Afrikanische Schweinepest, pandemiebedingte Marktschwankungen und eine „grüner“ werdende Marktwirtschaft beeinflussen die Produktion erheblich. Die Erzeugerpreise 2021 im Marktfruchtbau stehen aufgrund von weltweiten Ernteeinbrüchen (besonders in Kanada) teilweise im Allzeithoch, zudem konnten die finanziellen Löcher, verursacht durch die letzten Dürrejahre, im Ackerbau nicht komplett geschlossen werden. Zusätzlich belasten die hohen Einkaufs- oder Zukaufpreise für Futterweizen, Mais und Ölpflanzen die Futterkosten im Betrieb in erheblichem Maße, was einen negativen finanziellen Einfluss auf die Tierhaltung nimmt.

Die Viehhaltung steht aber auch in der Produktion und Vermarktung vor immensen Herausforderungen. Durch den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im Jahr 2020 ist die Vermarktung von Schweinefleisch erheblich eingebrochen, sodass eine kostendeckende Produktion oft nicht mehr gegeben ist. Neben der wirtschaftlichen Drucksituation wird der Umbau von Stall- und Haltungskonzepten von verschiedensten Interessengruppen gefordert und setzt die Tierhaltungsbetriebe zusätzlich unter Druck. Oft wird die strategische Planungssicherheit diskutiert, welche die Betriebe für Zukunftsinvestitionen dringend benötigen.

Bild 1: Beurteilung der aktuellen Geschäftslage – Landwirte in Deutschland

Figure 1: Assessment of actual business conditions – farmers in Germany

 

 

Betrachtet man nun die aktuelle Geschäftslage der unterschiedlichen Produktionsbereiche, hat der Ackerbau- und Milchviehbereich eine gute bis neutrale Geschäftslage angegeben. Die Schweinebetriebe votieren hier im Bereich schlecht bis sehr schlecht, welches die gefühlte Stimmung am Markt bestätigt.

Bild 2: Selbsteinschätzung zur wirtschaftlichen Lage von Landwirtschaftsbetrieben

Figure 2: Self-assessment of the economic situation of agricultural companies

 

Generell bewerten die Tierhaltungsbetriebe ihre zukünftige Geschäftsentwicklung im Gegensatz zur aktuellen Lage auf ähnlichem Niveau, sodass zum Zeitpunkt der Befragung nicht von einer Verbesserung der Geschäftslage ausgegangen wurde.

Doch auch der Ackerbau ist bei der zukünftigen Geschäftsentwicklung eher skeptisch eingestellt. Der Wegfall von Betriebsmitteln und die stärker an ökologischen Maßnahmen orientierte Agrarpolitik stellen die Landwirtschaft vor enorme Anpassungsprozesse und unterstreichen den Anpassungsdruck. Auch wenn die Marktfruchtpreise in 2021 auf einem sehr hohen Niveau rangieren, so kann dies mit einer neuen Rekordernte auch wieder auf ein niedrigeres Level absinken und die Deckungsbeiträge reduzieren.

Eine starke Differenz zwischen den Betriebszweigen ist im Bereich der Rentabilität und Liquidität zu erkennen. Besonders bei der Veredelungsbranche wird die katastrophale Wirtschaftslage deutlich, da die Ergebnisse im Vergleich zum Ackerbau und der Milchproduktion deutlich abfallen.

Investitionsneigung: Unsicherheit bei deutschen Tierhaltern

Bei der Investitionsneigung der Landwirtschaft ergibt sich ein differenziertes Bild. Generell kann man erkennen, dass die Bereitschaft zum Investieren international eine höhere Präferenz aufzeigt als in Deutschland. Gerade die Landwirte mit Ackerbau bekunden hier einen hohen Investitionsbedarf, um für die Herausforderungen von Effizienzsteigerungen und Ökologisierung gewappnet zu sein. Besonders die Studienteilnehmer mit ökologischem Landbau sehen hier Anpassungsbedarf und wollen daher investieren.

Die Milchviehhaltung in Deutschland hat in den letzten Jahren bereits einen Strukturwandel durchlaufen und viele Investitionen durchgeführt. Daher scheint die weitere Investitionsneigung weniger ausgeprägt als bei ausländischen Milchviehbetrieben.

Bild 3: Selbsteinschätzung zur Investitionsbereitschaft in den nächsten 12 Monaten bis Herbst 2022 Figure 3: Self-assessment of whether an investment is planned in the next 12 months until autumn 2022

 

Die Schweinehaltung steht unter großem Veränderungsdruck, was die Betriebsplanungen fundamental beeinflusst. Die im Vergleich der Produktionsrichtungen niedrige Investitionsbereitschaft ist durch eine unzureichende Planungssicherheit im Bereich der zukünftigen Tierhaltung gekennzeichnet, wodurch sich eher eine abwartende Sichtweise der Betriebe herausstellt. Im Zuge der Neuausrichtung der Agrarpolitik im Bundeslandwirtschaftsministerium erwartet die Branche Leitlinien für zukünftige Rahmenbedingungen, um hier Investitionen in die Schweinehaltung vornehmen zu können.

Technikinnovationen im Ackerbau: Effizienz in Arbeitserledigung und Betriebsmitteln im Fokus der Branche

Im Bereich der technischen Innovationen beurteilen die befragten Ackerbauern den Bereich der energieeffizienten und bodenschonenden Spur- und Reifensysteme als eine der wichtigsten Innovationen. Durch angepasste Fahrspurplanung und optimierten Reifendruck lassen sich die Traktion verbessern, der Schlupf minimieren und der Produktionsfaktor Boden schützen. Neben einer Ressourcenschonung können so auch Effizienzsteigerungen erreicht werden.

Bild 4: Selbsteinschätzung zu Innovationen im Ackerbau (I)

Figure 4: Self-assessment of innovation in arable farming (I)

 

Der Effizienzgedanke der Ackerbauern zeigt sich auch in der hohen Bedeutung der teilflächigen Düngung und Aussaat, denen die zweithöchste Wichtigkeit zugesprochen wird. Neben dem zielgerichteten Nutzen der Betriebsmittel erlauben diese beiden Techniken durch variable Aussaatstärken und Düngeraten auch eine gezielte Ausnutzung des natürlichen (Ertrags-) Potentials auf den Ackerflächen.

Restriktionen im Bereich des chemischen Pflanzenschutzes und der Wegfall von Wirkstoffen gelten als intensive Treiber alternativer Pflanzenschutztechnik. Dies äußert sich sowohl bei den befragten Landwirten, als auch bei der Industrie und der Forschung in einem gestiegenen Bewusstsein für Hack- und Striegeltechnik und autonome Feldroboter zur nicht-chemischen Unkraut- und Ungrasbekämpfung.

Bild 5: Selbsteinschätzung zu Innovationen im Ackerbau (II)

Figure 5: Self-assessment of innovation in arable farming (II)

 

Als weitere wichtige Innovation im Ackerbau steht auch eine effiziente Wirtschaftsdüngerapplikation (u.a. Nahinfrarot-Technik in der Gülleausbringung) im Fokus. Auch die verlustarme Beregnungstechnik hat an Bedeutung gewonnen. Gerade in trockenen Anbaujahren fällt dies ins Gewicht und der Fokus wird auf den effizienten und zielgerichteten Einsatz der Betriebsmittel und Ressourcen gerichtet.

Umwelt- und Klimaschutz im Ackerbau: Fruchtfolge und Betriebsmitteleffizienz im Fokus

Im Bereich der Umwelt- und Klimamaßnahmen zeigt sich, dass auf drei von vier Betrieben der Anbau von Zwischenfrüchten zur Erosionsminderung bereits umgesetzt wird. Neben dem Schutz vor Wind- und Wassererosion bietet der Zwischenfruchtanbau durch Nährstoffbindung, Bodenbelebung und Humusbildung zusätzliche ökologische Vorteile, weshalb weitere zehn Prozent der Betriebe die Umsetzung planen.

Rund zwei Drittel der befragten Ackerbauern setzen zudem auf eine erweiterte Fruchtfolge und das Anlegen von Blüh- und Wildblumenstreifen.

Der Einsatz von Technik zur teilflächenspezifischen Bewirtschaftung (z.B. in der Mineraldüngung und im Pflanzenschutz) wird zukünftig deutlich zunehmen, zumindest plant nahezu die Hälfte der befragten Betriebe eine Umsetzung dieser Techniken in den nächsten Jahren. Ähnliches gilt auch für den reduzierten Pflanzenschutzmitteleinsatz. Hier zeigt sich erneut, dass auch der Ackerbau vor einem Wandel hin zu einer Bewirtschaftung mit stärkerer Bedeutung von Ökologie und Ressourceneffizienz steht.

Bild 6: Selbsteinschätzung zu Umwelt- und Klimamaßnahmen im Ackerbau

Figure 6: Self-assessment of green measures on arable farm

Zusammenfassung

Der pandemische Einfluss durch Covid19 und die Afrikanische Schweinepest haben in 2021 erhebliche Auswirkungen auf die Geschäftslage der Landwirtschaft in Deutschland. Gerade schweinehaltende Betriebe hadern mit der Wirtschaftlichkeit der Produktion und brauchen Planungssicherheit für die Zukunft. Insgesamt steht die Branche vor einem tiefgreifenden Wandel in der Produktion hinsichtlich gesteigerter Ökologisierung und Nachhaltigkeit. Hierzu wird weiterhin investiert werden müssen. Im Fokus stehen hier die Verbesserung der Betriebsmitteleffizienz und Energieeinsparung im Betriebsalltag. Das erhöhte Bewusstsein für verstärkte Klima- und Umweltschutzmaßnahmen zeigt sich im gesteigerten Interesse an teilflächenspezifischer (reduzierter) Betriebsmittelausbringung und dem Einsatz vielfältiger Fruchtfolgen zur Realisierung phytosanitärer und arbeitswirtschaftlicher Effekte.

Literatur

[1]     DLG e.V.: DLG-Agrifuture Insights – Auswertung der Studie vom Oktober/ November 2021.

Autorendaten

Erik Guttulsröd ist Bereichsleiter Betriebsführung und Nachhaltigkeit im Fachzentrum Landwirtschaft, DLG e.V. in Frankfurt am Main.

Johannes Steinfort ist Projektleiter Junge DLG im Fachzentrum Landwirtschaft, DLG e.V. in Frankfurt am Main.

Keywords:
economic climate, Agricultural engineering, willingness to invest, environmental protection, innovations, climate
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Recommended form of citation:
Guttulsröd, Erik; Steinfort, Johannes: DLG-Agrifuture Insights: Climate and environmental protection of increasing importance for agriculture. In: Frerichs, Ludger (Hrsg.): Jahrbuch Agrartechnik 2021. Braunschweig: Institut für mobile Maschinen und Nutzfahrzeuge, 2022. – pp. 1-8

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