Article in yearbook 2025
Root Crop Engineering Potato Technology
Allgemeine Entwicklungen
Im Gegensatz zum Branchentrend profitierten die Hersteller von Kartoffeltechnik von einer vergleichsweise hohen Investitionsbereitschaft, die sich auf langanhaltend hohe Preise für Speisekartoffeln und Pommes Frites gründete. Gleichzeitig führten die positiven Markterwartungen zu einer deutlichen Vergrößerung der Anbaufläche in Deutschland und Europa [1], die mit der Ernte 2025 ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte und einen anschließenden Preisverfall zur Folge hatte.
Mit der Ankündigung des kanadischen Kartoffelverarbeiters McCain, eine neue Anlage im Landkreis Peine zu bauen [2], wurde der Anbau von Kartoffeln in Norddeutschland gefestigt. Die herstellenden Unternehmen konnten so ihrerseits in die Weiterentwicklung modernster Technik investieren.
Die anhaltende Spezialisierung im Kartoffelanbau führt zu einem vermehrten Einsatz digitaler Lösungen für eine Präzisionslandwirtschaft. Eine Vernetzung von Maschinen über den gesamten Vegetationsverlauf der Kartoffeln gewinnt weiter an Bedeutung und macht den Anbau auf vielen Betrieben effizienter und nachhaltiger. Beispiele dafür sind die gezielte, teilflächenspezifische Ablage der Pflanzkartoffeln, deren Unterfußdüngung, Erosionsschutzmaßnahmen in Abhängigkeit der Hangneigung, eine Beregnungsstrategie, die sich nach realen Bodenfeuchtewerten richtet, sowie eine Ernte mit Maschinen, die sich bereits heute teil-automatisch auf die vorherrschenden Erntebedingungen einstellen.
Der Bedarf für autonome Maschinen ist nach wie vor gegeben. Die notwendigen Entwicklungen bieten Chancen, stellen Landwirte und Hersteller aber auch vor große Herausforderungen. Insbesondere bei Schulung, Wartung und Versicherung dieser Maschinen und Anlagen.
Die vor allem in Süddeutschland stark zunehmende Verbreitung von Schilfglas-Flügelzikaden führt inzwischen nicht nur bei Zuckerrüben, sondern auch bei Kartoffeln und Möhren zu nennenswerten, negativen Effekten. Betroffene Betriebe berichten, dass sich die gummiartigen Kartoffeln nicht mehr vermarkten lassen. Dies könnte zukünftig erhebliche Konsequenzen für den Anbau, die Anbauregion und die Verwertungsrichtung der Kartoffeln haben. Erhöhte Risiken ergeben sich dabei vor allem für spät geerntete Ware, die z.B. zu Stärke oder Pommes Frites verarbeitet werden soll.
Technik zum Legen und Pflegen der Kartoffel
Legeverfahren mit integrierter Bodenbearbeitung
Die Ansprüche der Kartoffel an einen tief gelockerten Boden sind hoch. In den vergangenen Jahren haben Legeverfahren mit integrierter Bodenbearbeitung deshalb weiter an Bedeutung gewonnen. Bei den Maschinenkonzepten stehen sowohl gezogene als auch getragene Varianten zur Verfügung. Im letzten Beitrag dieser Reihe wurde bereits eine gezogene Legemaschine mit verlängertem Schwanenhals vorgestellt, bei der unter dem Schwanenhals problemlos unterschiedliche Geräte zur Bodenbearbeitung eingehängt werden können. In diesem Zusammenhang zeigte der Hersteller [3] jetzt erstmals auch eine Bodenfräse mit einem überarbeiteten Gehäuse- und Zinkenkonzept, das auf der letzten Agritechnica mit einer Silbermedaille prämiert wurde (Bild 1). Die Maschine lässt sich ergonomisch einfach und schnell reinigen, wodurch die Risiken der Bodenverschleppung beim Umsetzen von einer zu einer anderen Fläche deutlich reduziert werden.
Bild 1: Bodenfräse mit einem hydraulisch aufklappbaren Gehäuse auf gesamter Breite. [3]
Figure 1: Rotary tiller with a hydraulically hinged housing across the entire width. [3]
Der Hersteller ROPA zeigte auf der Agritechnica 2025 das Funktionsmuster einer getragenen vierreihigen Legemaschine. Um eine Straßentransportbreite von 3 m einzuhalten, wird die integrierte Fräse nicht wie sonst üblich über ein seitliches, sondern über ein mittig angeordnetes Getriebe versorgt (kleines Bild in Bild 2).
Die zentrale Anordnung des Getriebes reduziert das Risiko, dass beim Legen der Kartoffeln die benachbarten Dämme mit dem Getriebegehäuse beschädigt werden. Zudem wird die horizontale Gewichtsverteilung verbessert. Allerdings ergibt sich ein geänderter Materialfluss in der Fräse, der einen Einfluss auf den Dammaufbau hat. Es bleibt abzuwarten, wie die Kartoffelanbauer diese Vor- und Nachteile gegeneinander aufwiegen. Die Legemaschine verfügt außerdem über einen elektrischen Antrieb der Legeelemente, der für eine genauere Ablage des Pflanzgutes sorgen soll.
Bild 2: Getragene, 4-reihige Legemaschine mit integrierter Bodenfräse. [4]
Figure 2: Mounted, 4-row potato planter with integrated rotary tiller. [4]
Kartoffelzucht und Erosionsschutz unter geänderten klimatischen Bedingungen
Der Kartoffelanbau unter veränderten klimatischen Bedingungen stellt Züchter, Maschinenbauer und Landwirte vor neue Herausforderungen. Auf der Potato Europe 2025 stellten die Züchter deshalb nicht nur konventionelles Pflanzgut vor. Es wurden auch so genannte "True-Potato-Seeds" (TPS) gezeigt, die eine Resistenz gegen Trockenheit aufweisen [5]. Ein Potential für den Anbau dieser Kartoffeln wird derzeit vor allem außerhalb Europas in Indien gesehen. Das Saatgut, dass nicht aus der unterirdischen Knolle, sondern als Samen aus der oberirdischen Frucht gewonnen wird, kann einjährig angebaut werden. Der Anbau erfolgt ähnlich wie bei Tomaten. Das heißt, es werden zunächst Setzlinge aus dem Saatgut produziert, die später auf dem Acker von Hand eingepflanzt werden. Bisher erreichen die Erträge dieser Sorten allerdings noch nicht das in Europa übliche Ertragsniveau. Die etablierten europäischen Hersteller für Kartoffeltechnik bieten bisher auch noch keine entsprechend angepasste Technik für die Aussaat von TPS und das Versetzen der Setzlinge an.
Untersaaten in Kartoffeln zur Verbesserung des Erosionsschutzes konnten sich bisher nicht durchsetzen. Als Gründe für die Zurückhaltung in der Praxis werden vor allem die Konkurrenz um Wasser und die Problematik der Beimengentrennung bei der Ernte genannt.
Alle namhaften, europäischen Hersteller bieten inzwischen die Option an, die Legemaschine mit Querdammhäuflern ("Dyker") auszurüsten. Je nach Hersteller kommen dabei entweder rein mechanische, aber auch hydraulische und pneumatische Systeme zum Einsatz.
Bestandespflege bis zur Ernte
In vielen Bereichen des Kartoffelanbaus gewinnt der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) langsam, aber stetig an Bedeutung. Nachfolgend sollen dazu einige Beispiele vorgestellt werden.
KI-gestützte Bestandskontrolle in der Pflanzgutvermehrung
Die vor allem in den Niederlanden bekannten, selbstfahrenden Spezialfahrzeuge zur Selektion virusbefallener Kartoffeln können jetzt auch mit Kamerasystemen ausgestattet werden, die Blattveränderungen erkennen. Die Maschine markiert die betroffenen Pflanzen mit einem Farbspray, so dass sie später schneller vom Personal wiedergefunden und aus dem Zuchtbestand entfernt werden können. Auf der Potato Europe 2025 wurde außerdem eine weitgehend autonom einsetzbare Drohne mit KI-gestützter Bildverarbeitung vorgestellt. Theoretisch können eine oder mehrere Drohnen einfach mit ihrer Lade-Box am Feldrand abgestellt werden. In Deutschland dürfen Drohnen derzeit allerdings nicht unbeaufsichtigt eingesetzt werden. Interessant ist ihr Einsatz deshalb vor allem auf größeren Flächen, wenn mehrere Drohnen gleichzeitig von einer Person betreut werden können. Im dargestellten Beispiel messen Sensoren, die in die Box eingebaut sind, Regen und Windgeschwindigkeit. Die Box öffnet sich erst bei geeigneten Einsatzbedingungen. Dann fliegt die Drohne die Fläche systematisch ab und detektiert je nach Aufgabenprofil trockene, besonders steinige oder nasse Teilflächen, Unkrautnester, Hindernisse etc., die dann georeferenziert gespeichert werden und so für nachfolgende Anwendungen nutzbar sind.
Als technische Alternative zu georeferenzierten Applikationskarten für den chemischen Pflanzenschutz sind kameragestützte Spot-Spraying-Systeme zu nennen, die Nutzpflanzen und Begleitpflanzen für einen gezielten Einsatz der Pflanzenschutzmittel unterscheiden können. Die KI-gestützte Auswertung der Kamerabilder erfolgt dabei nicht zeitlich versetzt vorab, sondern während der Überfahrt. Der Hersteller Ecorobotix präsentierte in diesem Zusammenhang die Weiterentwicklung einer Präzisionsfeldspritze für den gezielten Einsatz nicht selektiver Kontaktherbizide. Dabei werden die Kulturpflanzen durch eine "virtuelle Sicherheitszone" vor dem Einfluss des Herbizides geschützt [6]. Ab 2026 soll es möglich sein, Ausfallkartoffeln nicht nur in Zwiebeln, sondern auch in Karotten zu bekämpfen.
Beregnung im Kartoffelanbau
Auf der Potato Europe 2024 wurde das Funktionsmuster einer autonomen Beregnungsmaschine vorgestellt [7]. Die Maschine ist in der Lage, eine Fläche selbstständig einschließlich der Wendemanöver am Vorgewende abzufahren. Dazu nutzt sie einen elektrischen Antrieb, welcher von Batterien und einem Generator gespeist wird, der wiederum über den Wasserdruck angetrieben wird.
Im Gegensatz dazu zeigten die Firmen rain2soil GmbH und Beinlich auf der Agritechnica 2025 Konzepte zur Bewässerung, bei denen konventionelle Dieselmotoren für den Antrieb genutzt werden. Beide Maschinen sollen die zu beregnende Fläche GPS-gesteuert abfahren können. Dazu ist die Beregnungstrommel auf einem Rad- bzw. Raupenfahrwerk montiert und mit einem Düsenbalken versehen. Bei beiden Maschinen wird die Beregnungsgabe aufgeteilt. Jeweils eine Hälfte der Gabenhöhe wird auf der Hinfahrt und auf der Rückfahrt ausgebracht. Dadurch soll eine verbesserte Durchfeuchtung der Kartoffeldämme erreicht werden [8].
Entwicklungen bei der Erntetechnik
Wie eingangs beschrieben, hat die Spezialisierung im Kartoffelanbau zur Folge, dass zunehmend zweireihige, gezogene Erntetechnik und vierreihige Selbstfahrer zum Einsatz kommen. Bei der gezogenen Erntetechnik wird die notwendige Antriebsleistung dabei mechanisch über die Gelenkwelle und/oder hydraulisch vom Traktor auf die Maschine übertragen. Mechanisch-elektrische Antriebssysteme sind vereinzelt in der Erprobung [9]. Bild 3 zeigt eine Erntemaschine amerikanischer Bauart mit dem genannten elektrischen Antriebsystem.
Bild 3: Gezogene Erntemaschine mit elektrisch angetriebenen Trennaggregaten [9]
Figure 3: Trailed potato harvester with electrically driven separators [9]
Als Gemeinschaftsentwicklung der Firmen FENDT und ROPA wurde auf der Agritechnica 2025 erstmals ein Load-Sensing System präsentiert, bei dem auf die sonst übliche (hydraulische) Steuerleitung verzichtet wird [10]. Bei dem so genannten "e-LS connect" erfolgt die Kommunikation für die vom Traktor angeforderte Ölmenge jetzt über eine elektronische Steuerleitung. Die Software im Traktor löst anschließend Steuerbefehle aus, die mit Hilfe des ISOBUS zur Maschine übertragen werden. Theoretisch bietet das elektronische Konzept viel Potential im Hinblick auf dynamische Regelungsprozesse. Bei der derzeit üblichen Datenübertragungsgeschwindigkeit des ISOBUS von 250 Kilobaud kann es jedoch noch zu Latenzen kommen, die u.U. zu extremen Belastungen im Hydrauliksystem des Implements führen können. Es bleibt abzuwarten, ob sich auch andere Traktorenhersteller auf dieses bisher exklusive Konzept einlassen oder ob sie abwarten, bis ein High-Speed-ISOBUS Praxisreife erreicht hat.
Weiterentwicklungen bei den Aggregaten zur Kartoffelaufnahme
Die zuverlässige, verstopfungsfreie Aufnahme der Kartoffeln (Möhren, Zwiebeln, etc.) aus dem Damm, Schwad oder Beet in die Maschine mit präziser Tiefenführung ist eine zentrale Voraussetzung für die leistungsfähige Ernte.
Bereits vor mehr als 50 Jahren wurde kalkuliert, dass mit einer unnötigen Vergrößerung der Rodetiefe um einen Zentimeter zusätzlich ca. 80 m³ Erde pro Hektar aufgenommen werden. Das entspricht einer vermeidbaren Maschinenbelastung von ca. 130 t/ha Erde [11]. Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass der Hersteller Agri Poppe auf der Potato Europe 2024 und 2025 eine hydraulisch angetriebene Scheibenaufnahme für Kartoffeln und Möhren zeigte, die viel Beachtung fand (Bild 4). Scheibenaufnahmen waren in der früheren DDR (u.a. bei der Kartoffel-Erntemaschine Typ E 665) weit verbreitet. Sie hatten den Ruf, besonders leichtzügig zu sein. Auch Agri Poppe geht von einer ca. 10% geringeren Antriebsleistung der Maschine aus [12].
Bild 4: Scheibenscharaufnahme für Kartoffeln und Möhren, System Agri Poppe. [12]
Figure 4: Disk intake for potatoes and carrots, System Agri Poppe. [12]
Bauartbedingt nehmen die Hohlscheiben allerdings deutlich mehr Erde als die üblichen Spatenschare auf und verteilen die aufgenommene Erde ungleichmäßiger auf dem nachfolgenden Siebband. Sie konnten sich deshalb bisher nicht durchsetzen. Es bleibt abzuwarten, ob sich die überarbeitete Variante in der Praxis etablieren kann.
Für die Steuerung der Tiefenführung der Rodeschare unter dem Kartoffelnest werden üblicherweise Dammtrommeln eingesetzt, die gezielt be- oder entlastet werden. Auf schweren, klebrigen Böden und auf Böden mit einem hohen Anteil scharfkantiger Steine kann es vorteilhaft sein, komplett auf Dammtrommeln zu verzichten. Diese Ausstattungsoption wird inzwischen von mehreren Herstellern angeboten. Bild 5 illustriert am Markt verfügbare, unterschiedliche Aufnahmeaggregate am Beispiel zweireihiger Erntemaschinen. In der Farbe blau ist jeweils auch die Scharlinie unter den Kartoffeln dargestellt.
Bild 5: Vergleichende Illustration unterschiedlicher Aufnahme-Aggregate
Figure 5: Comparative illustration of different intake units
Von links nach rechts sind konventionelle Dammtrommeln (A), halbe Dammtrommeln zur Aufnahme von Kartoffeln im angereicherten Ernteverfahren (B), Dammtrommeln mit zusätzlichem Stützrad zur Tiefenführung (C), halbe Dammtrommeln mit zwei zusätzlichen Stützrädern (D), Tastkufen mit zwei zusätzlichen Stützrädern (E) sowie eine Bürstenband- /Paddelbandaufnahme mit zwei Stützrädern (F) zu sehen. Ergänzt wird die Darstellung um die oben beschriebenen Scheibenschare beim Einsatz in Kartoffeln (G) und Zwiebeln im Schwad (H). Zu beachten sind die unterschiedlich dargestellten Scharausführungen mit Spatenschar und Mittenschar (B, D) sowie als durchgehendes Plattenschar (F). Letzteres kann ggf. auch als Rodewelle ausgeführt sein [13].
Bei den Ausführungen ohne Dammtrommeln (E, F, G, H) kommen i.d.R. zweierlei Tastkufen zum Einsatz. Zum einen regeln Tastkufen auf der Dammkrone die Tiefenführung, ohne dass Druck auf den Damm ausgeübt wird. Zum anderen werden Tastkufen an der Innen- bzw. Außenseite der Dammflanken geführt, um die automatische Dammmittenfindung zu unterstützen.
Schnellwechselsysteme für den Maschineneinsatz in unterschiedlichen Kulturen
Betriebe, die neben Kartoffeln auch Zwiebeln und/oder Möhren anbauen, investieren zunehmend in moderne Erntemaschinen, mit denen auch die Ernte dieser Kulturen möglich ist. Es ist offensichtlich, dass die unterschiedlichen Anbau- und Ernteverfahren Konsequenzen für die eingesetzte Aufnahme (vgl. Abb. 5) hat. Eine technische Herausforderung ist der möglichst schnelle Wechsel dieser Aufnahmekomponenten, der ggf. täglich erfolgen muss [13]. GRIMME zeigte dazu auf der Agritechnica 2025 die Neuentwicklung einer im Parallelogramm geführten Aufnahme mit Schnellwechselsystem für die Ernte von Kartoffeln, Zwiebeln und Möhren aus konventionellen Dämmen bzw. aus dem Schwad. Dank standardisierter Schnittstellen für Elektrik und Ölversorgung kann der Rodevorsatz jetzt werkzeuglos von einer Person in weniger als 5 Minuten gewechselt werden (Bild 6).
Bild 6: Kartoffelerntemaschine mit Schnellwechselsystem für die Aufnahme [13]
Figure 6: Potato harvester with quick change system for the intake [13]
Weiterentwicklungen bei Siebbändern
Als besondere Weiterentwicklung bei Siebbändern wurde auf der Agritechnica 2025 ein Zulieferunternehmen für das so genannte RICONDA-System mit einer Silbermedaille prämiert (Bild 7) [8]. Ausgezeichnet wurde eine Detailverbesserung an Siebbandverbindungen, von der erwartet wird, dass Wartungsintervalle bei Kartoffelerntemaschinen deutlich verlängert werden können. Die neue Bandverbindung verzichtet auf die sonst üblichen Verschleißbuchsen, die bei bestimmten Böden u.U. mehrfach pro Saison getauscht werden müssen. Die flexiblere Verbindungsstelle sorgt für einen ruhigeren Lauf. Als Konsequenz könnten zukünftig auch Umlenkrollen mit kleinerem Durchmesser eingesetzt werden um Fallstufen in der Maschine weiter zu reduzieren. Außerdem können lange Siebbänder problemlos durch mehrere Teilbänder mit jeweils gleicher Länge ersetzt werden. Im Schadensfall muss folglich nicht das gesamte Band, sondern nur der Teilabschnitt ersetzt werden.
Bild 7: RICONDA Bandverbindung (B) im Vergleich zum klassischen Siebbandschloss (A)
Figure 7: RICONDA belt connection (B) compared to a classic joiner (A)
Besondere Bauarten von Kartoffelerntemaschinen - AirSep
Vor 10 Jahren wurde auf der Agritechnica von SPUDNIK und GRIMME das pneumatische Trenngerät "AirSep" vorgestellt. Inzwischen wurden Weiterentwicklungen in das Trenngerät integriert, mit denen der Serviceaufwand und der Leistungsbedarf reduziert werden. Durch die neue Positionierung unmittelbar hinter dem zweiten Siebband werden die Vorteile des Trenngerätes mit Bezug auf Leistungsfähigkeit und reduzierte mechanische Belastungen der Kartoffeln inzwischen noch besser genutzt. Ausschließlich für den amerikanischen Markt ist seit kurzem auch ein elektrischer Antrieb für das AirSep verfügbar, der eine entsprechende elektrische Leistungsversorgung vom Traktor voraussetzt [9]. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieses Konzept zukünftig eventuell auch im europäischen Markt etablieren kann.
Selbstfahrende Erntemaschinen
Bei den Weiterentwicklungen in diesem Maschinensegment liegt der Schwerpunkt auf den vierreihigen, selbstfahrenden Erntemaschinen mit Bunker. Obwohl bei allen Herstellern inzwischen Konzepte verfügbar sind, bei denen der Bunker auch während des Rodens entleert werden kann, steigen die Anforderungen an das Bunkervolumen. Die Kapazität erreicht inzwischen bei den meisten Maschinen 11 bis ca. 13 m³. Das entspricht je nach Knollenkaliber und Restverschmutzung 9 bis 11 t Kartoffeln.
Bedienkonzepte selbstfahrender Erntemaschinen sind bei allen Herstellern gezielt auf die komfortable Bedienung einer leistungsfähigen Spezialmaschine ausgelegt. Verstärkt arbeiten die Hersteller an Konzepten, bei denen sich die Maschine schneller an die veränderlichen Ernte- und Bodenbedingungen anpassen lässt. Verbreitet ist der Ansatz, dass der Fahrer auf Knopfdruck bewährte Maschineneinstellungen abrufen kann. Neu ist, dass die Erfahrung des Fahrers durch den Einsatz von KI ergänzt wird und die Maschine selbst Empfehlungen zur Maschineneinstellung liefert.
Bei der Nutzung von künstlicher Intelligenz sind bereits heute zwei Anwendungsbereiche weit fortgeschritten: Die Übersetzung von Sprache und Text sowie die gezielte, intelligente Auswertung von statischen und bewegten Kamerabildern. So ist zu erwarten, dass die automatisierte Übersetzung bei der Bedienung, Fehlersuche und Fehlervermeidung im Kontext von Chatbots eine stark zunehmende Bedeutung erhält.
Da intelligente Bildverarbeitung bei vielen Herstellern inzwischen ein zentrales Entwicklungsthema ist, liegt es nahe, die Informationen, die in den Bildern verfügbar sind zu standardisieren und für die gesamte Produktionskette verfügbar zu machen. Beispielsweise könnte die 3D-Vermessung von Feldrandmieten mit Drohnen (Entwicklungsstadium) zur Optimierung der Transportlogistik einschließlich einer Abschätzung des Anteils störender Beimengen genutzt werden. Das Bildmaterial liefert gleichzeitig einen Hinweis auf Bodenverdichtungen auf dem Vorgewende, die es bei der Bodenbearbeitung zur Folgekultur zu berücksichtigen gilt.
Entwicklungen bei der Lagertechnik
Die Technik für die Annahme, Ein- und Auslagerung sowie Aufbereitung von Kartoffeln hat einen hohen technischen Stand erreicht.
Besondere Herausforderungen bestehen darin, die abnehmende Verfügbarkeit von Personal zu kompensieren. Dies gilt nicht nur für große, sondern auch für kleine Betriebe, die bisher auf Familienarbeitskräfte zurückgreifen konnten. In diesem Zusammenhang stellte SchmiedeONE die Weiterentwicklung eines kompakten opto-elektronischen Sortierers vor (Bild 8). Die eingesetzte Sensorik ist in der Lage, die Trockenheit von Objekten zu differenzieren, so dass schrumpelige Kartoffeln (ggf. auch die von der Schilf-Glasflügelzikade übertragene Knollenwelke), Steine und Erdklumpen automatisiert aussortiert werden können.
Das nachfolgend dargestellte Beispiel zeigt exemplarisch das Potential KI-gestützter Sortiertechnik, die inzwischen in einem breiten Leistungsbereich von 1 t/h bis ca.100 t/h bei der Einlagerung und Aufbereitung von Kartoffeln eingesetzt wird.
Neben den etablierten Herstellern zeigten auf der Potato Europe 2024 und 2025 auch neue Anlagenbauer, die sich bisher auf das Sortieren von Tomaten, Paprika oder Äpfel konzentriert haben, adaptierte Technik für die staubigen Bedingungen bei der Kartoffellagerung. Das Spektrum der Sortierkriterien wird dabei stetig erweitert. Es umfasst nicht nur die Form, Größenverteilung und Verfärbungen auf der Schale, sondern z.B. auch Drahtwurmbefall (derzeit im Entwicklungsstadium), faule Knollen und Mutterknollen.
Bild 8: Kompakter opto-elektronischer Sortierer [14]
Figure 8: Compact opto-electronic potato sorter [14]
Fazit und Ausblick
Der vorliegende Artikel zeigt exemplarisch ausgewählte technische Weiterentwicklungen, um den wachsenden Anforderungen der landwirtschaftlichen Praxis weiterhin gerecht zu werden. Die Beispiele zeigen auch, dass KI in diesem Segment schon heute eine wichtige Rolle spielt, die die zukünftigen Entwicklungen maßgeblich mit prägen wird.
Literatur
[1] BMEL: Rekordernte erwartet. URL: https://www.bmel.de/SharedDocs/Meldungen/DE/Presse/2024/240924-kartoffelernte.html, Zugriff am 01.10.2024.
[2] Huber, D.: Neues Werk in Peine geplant. Kartoffelbau (2024), H. 11, S. 6.
[3] N.N.: Pressemitteilungen und News zur Agritechnica 2025. GRIMME, URL: https://grimme.com/de/news?page=2, Zugriff am 29.12.2025.
[4] N.N.: Vorstellung der Legemaschine LEGUAN. ROPA, URL: https://www.ropa-maschinenbau.de/news/agritechnica-2025/, Zugriff am 29.12.2025.
[5] Solynta: Hybrid-Saatgut von Kartoffeln, PotatoEurope 2025. URL: https://www.solynta.com/true-potato-seed-varieties, Zugriff am 29.12.2025.
[6] Brammert-Schröder, I.: ECOROROTIX: Einsatzmöglichkeiten in Kartoffeln und Gemüse. Kartoffelbau (2025), H. 12, S. 12.
[7] N.N.: Oscar Beregnungsroboter. OSIRIS, URL: https://youtu.be/EWAQFd9XZjE, Zugriff am 29.12.2025.
[8] Meyer, A.: Agritechnica 2025: Neues rund um die Kartoffeltechnik. Kartoffelbau (2025), H. 12, S. 8–11.
[9] Spudnik; John Deere: Power offboarding brings precision to potato harvesting. URL: https://youtu.be/a2bjP45Iefk, Zugriff am 29.12.2025.
[10] Fendt: „e-LS connect“ vereinfacht Kommunikation des Öldrucks zwischen Traktor und Anbaugerät. URL: https://www.fendt.com/at/e-ls-connect-vereinfacht-kommunikation-des-oeldrucks-zwisch, Zugriff am 29.12.2025.
[11] VEB Weimar-Werk: Maschinensysteme zur industriemäßigen Produktion von Kartoffeln im 75 cm-Reihensystem. 1969. URL: www.weimar-werk.de, Zugriff am 29.12.2025.
[12] N.N.: Scheibenschare an Erntemaschinen. AGRI-POPPE, URL: https://agripoppe.com/en/ap-lift, Zugriff am 29.12.2025.
[13] Klindtworth, M.; Gerken, M.: Kartoffelerntetechnik sinnvoll in Feldgemüse einsetzen. Special Zwiebeln und Möhren. Kartoffelbau (2025), H. 11, Beilage.
[14] N.N.: Vorstellung des Farmsort.one auf der Agritechnica. SCHMIEDE.ONE, URL: https://farmsort.one/, Zugriff am 29.12.2025.
Autorendaten
Dr. Michael Klindtworth ist Mitarbeiter der GRIMME Landmaschinenfabrik SE & Co. KG in Damme.
